Alexander Hering
Psychologische Beratung, Hypnose, Stressmanagement

Entscheidungen - die Qual der Wahl

Die aktuelle Situation fordert viele von uns heraus – auf ganz unterschiedliche Weise. Eine Kernfrage, die sich zurzeit die meisten von uns stellen, ist die Frage, nach der „richtigen“ Entscheidung.
Treffen wir Entscheidungen, sind grundsätzlich mind. zwei „Bewertungssysteme“ in uns beteiligt: unser Verstand, der sehr offen für logische, rationale und belegbare Fakten ist und unser Gefühl, welches die Sichtweise des Verstandes entweder unterstützt, boykottiert oder neutral (unentschieden) bleibt.

Dieses Gefühl, man nennt es auch das „emotionale Erfahrungsgedächnis“ stützt sich nicht auf Daten und Fakten, sondern wird durch unsere Erfahrungen, Werte, Glaubenssätze, Ängste und Bedürfnisse etc. bestimmt. Es bewertet Situationen wesentlich schneller, als unser Verstand sie analysieren kann – meist unbewusst, ohne unser Zutun.

Entscheidungen fallen uns leicht, wenn unser Verstand und unser Gefühl konform gehen, andernfalls liegen wir mit uns selbst „im Klinsch“: etwas scheint z.B rational betrachtet gut, aber wir fühlen uns nicht wohl dabei. Ein Beispiel hierzu ist der Zahnarztbesuch. Es gibt nur wenige, die sich wirklich darauf freuen aber wir wissen, dass es rational betrachtet, wichtig für unsere Gesundheit ist. Bei den meisten ist wohl der Verstand stärker als das Unwohlsein, es gibt aber auch Menschen, bei denen die Angst überwiegt.

Die aktuelle Situation ist leider noch viel komplexer. Wir werden überhäuft mit Informationen - die einen sprechen zunächst für Entscheidung A, die anderen für Entscheidung B, werden aber im schlimmsten Fall nach einiger Zeit wieder korrigiert oder revidiert. Unser Verstand tut sich schwer eine rational nachvollziehbare Entscheidung zu treffen und dann mischen sich auch noch unsere Gefühle (z.B. Ängste) ein und möchten auch „mitentscheiden“

Und gerade unsere Ängste haben eine große „Lobby“: Angst vor Krankheit, Angst vor dem Tod, Angst vor Ablehnung, Angst vor Verlust, Angst vor dem Ausgegrenztwerden, Angst vor Kontrollverlust, Angst vor Autorität usw. Es sind starke Gefühle, die entstehen, wenn wir eine Situation bzw. Umstände bewusst oder unbewusst als Bedrohung für uns bzw. die Erfüllung unserer Bedürfnisse (z.B. Sicherheit, Dazugehörigkeit, Gesundheit, Freiheit etc.) einstufen.

Warum schreibe ich darüber? Ich möchte keinesfalls sagen „Dies oder das ist richtig“ oder „ignoriert Eure Gefühle“. Ganz im Gegenteil. Ich möchte Euch dazu ermutigen, Euch bewusst zu machen, dass zurzeit viele Menschen in unserem Umfeld von ihren Gefühlen stark beeinflusst werden und ihre Handlungen oder Aussagen Euch daher ungewohnt erscheinen können, um es mal sanft auszudrücken. Das betrifft natürlich uns selbst, wie auch unsere Partner, Familien, Freunde, Kollegen etc.

Egal, welche Entscheidung ihr trefft, hinterfragt sie regelmäßig, anhand aller Euch vorliegender Informationen. Macht Euch Eure eigenen Ängste und Bedürfnisse bewusst und gesteht anderen die ihren zu. Ihr könnt hitzig diskutieren und Euch austauschen aber verurteilt niemanden wegen seiner/ ihrer Entscheidung (und seinen Gefühlen) – es gibt für ihn/ sie gute Gründe, sie so zu treffen, auch wenn ihr sie weder teilt noch versteht.

Versucht immer sachlich und offen zu bleiben, denn Worte oder Taten kann man nur schwer zurücknehmen. Grenzt Euch ab und nimmt Abstand, wenn jemand in Eurem Umkreis Euch angreift oder unter Druck setzen möchte, aber versucht es nicht zu persönlich zu nehmen, auch wenn sein/ ihr Verhalten oder seine/ ihre Worte verletzend ist– ein Mensch der Angst hat, ist im Stress, d.h. im Kampf- oder Fluchtmodus.
Irgendwann, hoffentlich sehr bald, wird sich die Situation wieder normalisieren und ich wünsche Euch von ganzem Herzen nur das Beste für die Zeit, bis dahin. Wenn dann der eine oder andere kommt und sich entschuldigen möchte, seid nachsichtig, reicht ihm bzw. ihr die Hand und sprecht darüber, was passiert ist.