Alexander Hering
Psychologische Beratung, Hypnose, Stressmanagement

Selbstbestimmt leben

Meine Mutter starb vor etwa 4 Jahren am Ende eines Lebens, das sie fast ausnahmslos in den „Dienst“ von anderen stellte. Ihrem eigenen Glück, ihren Bedürfnissen, Wünschen und Träumen gab sie nur wenig bis gar keinen Raum. Sie war ursprünglich Buchhalterin, verlor aber durch die Mutterschaftspause den Anschluss. Eine Fortbildung kam für sie "nicht in Frage", da die Karriere meines Vaters aus ihrer Sicht Vorrang hatte und so arbeitete sie viele Jahre lang sehr hart für wenig Geld.  Sie gönnte sich weder schöne Kleidung, noch Pflege oder Hobbies, sondern kümmerte sich nach/ neben ihrer Arbeit, um meine schulischen Leistungen  und die Versorgung meines recht unselbstständigen Vaters. 

Ich habe sie nur selten wirklich glücklich, gelöst und befreit erlebt und je älter sie wurde, desto frustrierter und trauriger wurde sie. Als sie dann in Rente ging, ging es ihr eher schlechter als besser und sie wurde immer deprimierter, insbesondere als dann die gesundheitlichen Themen anfingen. Sie haderte mit ihrem Leben und ihren gesundheitlichen Einschränkungen und regte sich über Kleinigkeiten auf - die schönen Seiten des Lebens konnte und wollte sie nicht wahrnehmen.

Warum erzähle ich diese Geschichte? Wir alle wüschen uns ein erfülltes und zufriedenes Leben, schrecken aber manchmal davor zurück, uns wirklich dafür einzusetzen und darum zu "kämpfen". Tief in unserem Inneren wissen wir was wir brauchen, wonach wir uns sehnen und was uns glücklich macht, haben aber Angst davor, was passieren könnte, wenn wir für uns einstehen und Entscheidungen treffen, Grenzen ziehen und uns von Dingen und Personen trennen, die uns nicht gut tun. Und wir finden tausend Ausreden, warum dies oder jenes "gerade jetzt" nicht geht…bis das Leben einem manchmal keine andere Wahl mehr lässt.

So berichten manche Klienten, die plötzlich schwer erkrankt sind, einen Unfall oder Zusammenbruch hatten, dass erst dieser „Schicksalsschlag“ ihnen den Antrieb und den Mut (oder eine Rechtfertigung?) gab, ihr Leben zu überdenken und zu ändern.
Aber wir dürfen das auch tun, ohne dass es vorher weh tut. Wir haben ein Geburtsrecht auf Glück, Zufriedenheit und ein erfülltes Leben und nur wir selbst tragen die Verantwortung hierfür – denn unser Leben können nur wir selbst leben!
Es geht nicht darum, ein Egoist zu sein oder zu werden, sondern sich seiner Gedanken- und Verhaltensmuster bewusst zu werden und eine Balance zu finden zwischen Geben und Nehmen, Pflicht und Kür, Arbeit und Vergnügen – damit wir am Ende gerne zurückblicken und unsere letzte Reise mit einem Lächeln auf den Lippen antreten können.